Weiterführende Therapien
Chemotherapie, Peritonealdialyse und Zelltherapie. Was jedes Verfahren leisten kann, was nicht, und wann es zur Sprache kommt.
Die drei Verfahren auf dieser Seite kommen dann zur Sprache, wenn die übliche Behandlung nicht gereicht hat oder die Erkrankung weit fortgeschritten ist. Ihnen gemeinsam ist, dass das, was sie nicht können, ebenso offen besprochen werden muss wie das, was sie können.
Die Entscheidung fällt immer über die Lebensqualität. Dass eine Behandlung möglich ist, heißt nicht, dass sie für jedes Tier richtig ist.
Chemotherapie
Bei Katze und Hund wird die Chemotherapie am häufigsten bei Lymphom, Mastzelltumoren und einigen Tumoren innerer Organe eingesetzt.
Das Ziel ist meist nicht Heilung, sondern das Zurückdrängen der Erkrankung, und zwar solange das Tier sich gut fühlt. Hier trennt sich der Ansatz von der Humanmedizin: die Dosierungen werden so gewählt, dass das Tier seinen gewohnten Alltag weiterführen kann. Nebenwirkungen sind deshalb meist mild und die meisten Tiere leben während der Behandlung normal.
Wie es abläuft: die Diagnose wird durch Biopsie oder Punktion gesichert, die Ausbreitung bildgebend beurteilt, und daraus folgt das Protokoll. Vor jeder Gabe wird ein Blutbild gemacht; sind die weißen Blutkörperchen niedrig, wird die Sitzung verschoben.
Worauf zu Hause zu achten ist und wann Sie anrufen sollen, geben wir bei der Entlassung schriftlich mit.
Peritonealdialyse
Wenn die Nieren das Blut nicht mehr filtern, sammeln sich Giftstoffe an. Die Peritonealdialyse nutzt das Bauchfell als natürlichen Filter: über einen in den Bauch gelegten Katheter wird eine Lösung eingebracht, eine Zeit belassen und mit den Giftstoffen wieder abgeleitet. Der Zyklus wiederholt sich.
Wann sie zur Sprache kommt: bei akuter Nierenschädigung, wenn Medikamente und Infusionen nicht gereicht haben. Die häufigsten Ursachen sind Vergiftung, besonders mit Frostschutzmittel, Leptospirose und ein zu lange unbehobener Harnverschluss.
Was sie leistet: sie verschafft den Nieren Zeit zur Erholung. Sie repariert sie nicht, sondern hält die Giftstofflast in der Zwischenzeit erträglich.
Was sie nicht leistet: bei chronischer Nierenerkrankung ist sie keine dauerhafte Lösung.
Sie ist aufwendig, erfordert einen stationären Aufenthalt und hat Komplikationen: Verstopfung des Katheters, Entzündung des Bauchfells, Eiweißverlust. Darüber sprechen wir von Anfang an.
Zelltherapie
Die Zelltherapie zielt darauf, die Gewebereparatur zu unterstützen und die Entzündungsantwort zu regulieren. In unserer Praxis kommt sie bei chronischem Nierenversagen, polyzystischer Nierenerkrankung und chronischen, nicht heilenden Wunden in Betracht.
Hier muss man deutlich sein. Die Zelltherapie ist in der Tiermedizin ein Feld in Entwicklung. Die Datenlage wächst weiter, und diese Behandlung ersetzt die etablierte Standardtherapie nicht; sie wird daneben eingesetzt. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus und lassen sich nicht im Voraus zusichern.
Gerade bei den Nieren muss die Erwartung richtig gesetzt werden: chronisches Nierenversagen ist nicht umkehrbar. Das Ziel ist nicht, die Erkrankung zu beseitigen, sondern die Lebensqualität zu stützen. Die übliche Nierentherapie, also Ernährung, Flüssigkeitsunterstützung, Blutdruck- und Phosphatkontrolle, wird dadurch nicht ersetzt.
Bei chronischen Wunden geht es darum, die Heilung zu unterstützen, und auch dort wird ohne Behandlung der Ursache (Durchblutung, Infektion, Druck) nichts erreicht.
Ob das Verfahren passt, entscheiden wir gemeinsam, nach Stadium, Alter und Allgemeinzustand des Tieres.
Wie entschieden wird
Keines der drei Verfahren gehört zu jenen, bei denen gilt: wenn es geht, muss es sein. Jedes Mal ist dasselbe zu besprechen: wie das Tier sich dabei fühlen wird, wie oft es kommen muss, und an welchem Punkt Aufhören die richtige Antwort ist.
Dieses Gespräch führen wir lieber am Anfang. Die verbleibende Zeit eines alten Tieres mit Fahrten in die Praxis zu verbringen ist nicht immer die richtige Wahl, und Ihnen das zu sagen gehört ebenfalls zu unserer Arbeit.
Häufige Fragen
Wird die Chemotherapie mein Tier sehr mitnehmen?
In der Tiermedizin werden die Dosierungen mit einem anderen Ziel gewählt als in der Humanmedizin: gesucht wird das Gleichgewicht zwischen dem Zurückdrängen der Erkrankung und dem Alltag, den das Tier weiterführen soll. Die meisten vertragen die Behandlung gut. Vorübergehender Appetitmangel, weicher Kot und Mattigkeit sind möglich; schwere Nebenwirkungen sind selten. Die meisten Hunde verlieren ihr Fell nicht, einzelne Rassen schon, und die Tasthaare können ausfallen.
Heilt die Zelltherapie Nierenversagen?
Nein. Chronisches Nierenversagen ist nicht umkehrbar, und daran ändert die Zelltherapie nichts. Sie ist eine unterstützende Behandlung, sie ersetzt die übliche Nierentherapie nicht, und die Ergebnisse fallen von Tier zu Tier verschieden aus. Die Erwartung von Anfang an richtig zu setzen ist der wichtigste Teil dieser Behandlung.
Wird jedem Nierenpatienten dialysiert?
Nein. Die Peritonealdialyse kommt bei akuter Nierenschädigung in Betracht, wenn Medikamente und Infusionen nicht ausgereicht haben, um den Nieren Zeit zur Erholung zu verschaffen. Bei chronischer Nierenerkrankung ist sie keine dauerhafte Lösung.
Muss mein Tier dafür stationär bleiben?
Die Chemotherapie wird meist tagsüber gegeben und das Tier geht am selben Tag nach Hause. Die Peritonealdialyse erfordert einen stationären Aufenthalt und enge Überwachung. Die Gabe der Zellen dauert nur kurz.
